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Sanierung der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz Eichstätt (23. September 2011)

Sanierung der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz Eichstätt (23. September 2011)

Der Prunkbau strahlt in neuem Glanz
Die sanierungsbedürftige ehemalige Fürstbischöfliche Residenz Eichstätt sowie das ehemalige Fürstbischöfliche Kanzleigebäude (heute als Residenz I und Residenz II bezeichnet) haben im Zuge des Konjunkturpakets II eine brandschutztechnische, energetische sowie statische Sanierung erfahren. Die Arbeiten sind nun nahezu abgeschlossen, der zeitliche wie finanzielle Rahmen wurden eingehalten.

Die barocke Dreiflügelanlage des Residenzgebäudes ist im Nordwesten baulich direkt mit dem Dom verbunden, was zum einem bezüglich des Brandschutzes zu Problemen führte und zum anderen auch statische Schwierigkeiten barg, da die Ablastung des erst später vorgeblendeten barocken Westwerks des gotischen Doms teilweise in das Residenzgebäude greift und auf morsche Deckenbalken lastete.

Dies, wie auch das erst später inden Jahren 1767/68 eingebaute repräsentative neue Treppenhaus mit seinem im Dachbereich zum Innenhof hin aufklaffenden Risalit sowie eine Fülle an wertvollen Deckengemälden, Stuckaturen und Raumausstattungen – erwähnt sei hier vor allem der prunkvolle Spiegelsaal – machten die Sanierung im aufenden Betrieb des heute darin befindlichen Landratsamts Eichstätt zur Herausforderung.

Die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz Eichstätt entstand in mehreren Bauphasen an jener Stelle, auf der sich vor 1022 das frühere Domkloster befand und die bis zu den großen Schwedenbränden in den Jahren 1633/34 mit einer pätgotischen Gebäudegruppe und der Bischofsresidenz bebaut war. Der Ost- und Westflügel werden auf das Jahr 1702 beziehungsweise etwas später datiert und vom „Hochfürstlichen Bau und Maurermeister“ des Eichstätter Fürstbischofs Jakob Engel erbaut. Sein ebenfalls aus Graubünden stammender Nachfolger Gabriel de Gabrieli errichtete – wohl nach Plänen Engels – von 1725 bis 1727 den repräsentativen und zum Platz hin gewandten Südflügel als Schauseite.

Das Prunktreppenhaus und der Spiegelsaal aus den Jahren 1767/68 sowie die Neugestaltung der Südfassade von 1791 wurden von Maurizio Pedetti gestaltet, der zu jener Zeit das Amt des „Hofbaudirektors und Hofkammerrats“ in Eichstätt innehatte. Als städtebauliche Glanzleistung Pedettis gilt die Ausgestaltung des Residenzplatzes von 1776 bis 1780 mit der fast 24 Meter hohen Mariensäule, mit großem und kleinem Brunnen sowie dem strahlenförmig verlegten Kopfsteinpflasterbelag sowie einem geschwungenen Lindenhalbrondell als Abschluss im Osten.

Das ehemalige Fürstbischöfliche Kanzleigebäude – eine Dreiflügelanlage – befindet sich genau gegenüber des Westflügels der Fürstbischöflichen Residenz direkt an der Spitalbrücke der Altmühl. Das 1728 von Gabriel de Gabrieli geschaffene Gebäude hat im Mitteltrakt zur Straßenseiten hin einen überdeckten Arkadengang und eine dreiseitig umschlossene Hofausbildung zur Altmühl. Die Fassade nimmt sich nur wenig im Vergleich zu seinem weit größeren Gegenüber, innen jedoch ist die Ausstattung und Ausgestaltung weit schlichter, da das Gebäude für die Residenzwache, Pagerie und Registratur geschaffen wurde. Das Gebäude diente im 19. Jahrhundert als Appelationsgericht sowie später als Bezirksamt und beherbergt seit 1939 das Landratsamt.

Beide Gebäude erfuhren Mitte der 1970er Jahre eine Sanierung beziehungsweise Restaurierung. Die mangelhafte energetische Situation vor allem im Dachbereich, statische Mängel und der ungenügende Brandschutz waren Anlass die beiden Gebäude diesbezüglich auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen und die Förderung der Baumaßnahme durch den Staat zu nutzen. Das Eichstätter Architekturbüro Collegiat Architekten und der Tragwerksplaner Grad Ingenieurplanungen GmbH aus Ingolstadt waren primär mit den Planungen, der Ausführung und der Bauleitung betraut, die in enger Zusammenarbeit mit der Bauabteilung des Landratsamts stattgefunden hat.

Zu Beginn der Sanierungsmaßnahme stand neben verschiedenen Voruntersuchungen das Anfertigen eines verformungsgerechten Aufmaßes der Dachstühle, die sich durch die in den 1970er Jahren nicht behobenen Mängel der teils stark geschädigten bis nicht mehr existenten Deckenbalken, Sparren und Binder, gesetzt und verformt hatten. Die im Dach befindlichen Archive, die sich zunehmend mit Akten füllten und durch ihre enorme Papierlast die Deckenkonstruktion überforderten, erschwerten das Anfertigen des Aufmaßes.

Die Baumaßnahme war in sechs Lose aufgeteilt
Früh zeigte sich, dass das Dachtragwerk von diesen Lasten befreit werden musste, die mit altem Bauschutt gefüllten Zwischenräume entschuttet und die Konstruktion repariert sowie statisch verstärkt oder nachgebessert werden musste, um der energetischen Sanierung und dem Wunsch nach neuen Archivräumen nachkommen zu können.

Der Umfang der Schäden, die Größe der beiden Objekte (7400 beziehungsweise 2600 Quadratmeter Bruttogrundfläche) und der durch das Konjunkturpaket vorgegebene Fertigstellungstermin veranlasste den Bauherren die Maßnahme in sechs Lose aufzuteilen. Als wahrer Glücksfall hat sich herausgestellt, dass eine größere und entsprechend leistungsfähige und äußerst kompetente Zimmerei den Zuschlag für alle sechs Lose erhalten hatte und die Arbeiten in direkter Absprache mit der Bauleitung und der Amtsleitung der Bauabteilung stattfanden.

In den darunterliegenden Geschossen standen in erster Linie die Reparaturen historischer Fenster sowie das Ersetzen der energetisch nicht mehr tragbaren Fenster aus den 1970er Jahren und der Einbau neuer Fenster nach historischem Vorbild und Aufmaß an. Neben der energetischen und der statischen Sanierung – sie umfasste unter anderem auch den Einbau von zwei Hängewerken und den Einbau eines mächtigen Überzuges aus Brettschichtholz zur Entlastung eines Diagonalbinders im Dachraum – galt es, dem baulichen Brandschutz den Erfordernissen der heutigen Zeit Rechnung zu tragen. Hierfür wurden die Geschossdecken zum Dachraum sowie die bestehenden Brandwände konditioniert. Kommendes Jahr werden noch Rauchabschnitte geschaffen, alle Treppenräume mit Ausnahme des Haupttreppenhauses der Residenz rauchtechnisch abgetrennt sowie eine Brandmeldeanlage eingebaut.

Die Sanierung hatte auch zum Guten, dass die wertvolle Decke des Spiegelsaals mit seinem filigranen, stuckierten und vergoldeten Rankenwerk aus dem Rokoko sowie das Deckengemälde von Michael Franz genauer auf Schäden untersucht worden war bevor wegen der darüber stattfindenden Zimmermannsarbeiten mit der Deckensicherung begonnen wurde. Der für den Festsaal nachträglich umgebaute Dachstuhl von 1768 mit seiner an Spanten befestigten Deckenkonstruktion hatte sich nämlich früher schon zur Traufe hin bewegt und zu einer nicht zu übersehenden Verformung im Gesimsbereich geführt.

> WERNER PROKSCHI, BAYERISCHE STAATSZEITUNG

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